Gewährleistung beim Hausverkauf: Ausschluss, Klausel und Grenzen
Beim Verkauf einer gebrauchten Immobilie wird die Gewährleistung im notariellen Kaufvertrag fast immer ausgeschlossen. Das ist zulässig und üblich. Der Ausschluss wirkt aber nicht lückenlos: Er versagt bei einem arglistig verschwiegenen Mangel, bei einer übernommenen Garantie und überall dort, wo im Vertrag eine bestimmte Beschaffenheit zugesagt ist. Wer das weiß, formuliert den Vertrag anders und spart sich den Streit nach der Übergabe.
Preis und Haftungsrisiko hängen zusammen: Wer den Wert kennt, verhandelt auch über Mängel sachlich. Die Einschätzung von immoverkauf24 ist kostenlos und unverbindlich.
- Der Ausschluss ist beim Verkauf von Bestandsimmobilien zulässig: Privatpersonen dürfen die Haftung für Sachmängel im notariellen Kaufvertrag vollständig abbedingen. Das ist der Normalfall und kein Zeichen für einen verschwiegenen Mangel.
- Zwei Dinge hebeln ihn aus: Nach § 444 BGB kann sich der Verkäufer nicht auf den Ausschluss berufen, wenn er einen Mangel arglistig verschwiegen oder eine Garantie für die Beschaffenheit übernommen hat. Beides entsteht leichter, als die meisten Verkäufer annehmen.
- Jede Beschaffenheitsangabe schlägt den Ausschluss: Steht im Vertrag, das Dach sei 2019 neu gedeckt worden, haftet der Verkäufer dafür trotz Ausschluss. Der Satz über dem Ausschluss ist deshalb oft wichtiger als der Ausschluss selbst.
- Was bedeutet Gewährleistung beim Immobilienverkauf?
- Welche Rechte hat ein Käufer ohne Ausschluss?
- Ist ein Gewährleistungsausschluss beim Hausverkauf zulässig?
- Was bedeutet „gekauft wie gesehen“ bei einer Immobilie?
- Wie ist die Klausel im notariellen Kaufvertrag aufgebaut?
- Wo greift der Haftungsausschluss nicht?
- Beschaffenheitsangaben: die unterschätzte Haftungsfalle
- Neubau, Bauträger und gewerbliche Verkäufer
- Wie lange haftet der Verkäufer?
- Mängel dokumentieren und den Kaufvertrag vorbereiten
- Checkliste vor dem Notartermin
1. Was bedeutet Gewährleistung beim Immobilienverkauf?
Gewährleistung ist die gesetzliche Einstandspflicht des Verkäufers dafür, dass die Sache bei der Übergabe frei von Mängeln ist. Sie entsteht ohne Vereinbarung, allein aus dem Gesetz, und sie betrifft zwei Arten von Mängeln: den Sachmangel nach § 434 BGB und den Rechtsmangel nach § 435 BGB.
Ein Sachmangel liegt vor, wenn die Immobilie bei Gefahrübergang nicht die vereinbarte Beschaffenheit hat, sich nicht für die vertraglich vorausgesetzte Verwendung eignet oder hinter dem zurückbleibt, was bei einem Objekt dieser Art üblich ist und ein Käufer erwarten darf. Ein Rechtsmangel betrifft nicht den Zustand, sondern die Rechtslage: eine eingetragene Dienstbarkeit, ein Wohnrecht, eine nicht gelöschte Grundschuld.
Die Gewährleistung gilt kraft Gesetzes und lässt sich beim Verkauf einer gebrauchten Immobilie unter Privatleuten abbedingen. Eine Garantie ist eine freiwillige zusätzliche Zusage des Verkäufers. Wer eine Garantie übernimmt, kann sich auf einen Haftungsausschluss nicht mehr berufen. In Kaufverträgen über Bestandsimmobilien kommen echte Garantien deshalb praktisch nicht vor.
2. Welche Rechte hat ein Käufer ohne Ausschluss?
§ 437 BGB gibt dem Käufer bei einem Mangel vier Möglichkeiten. Sie stehen nicht gleichrangig nebeneinander, sondern bauen aufeinander auf: Zuerst ist die Nacherfüllung zu verlangen, erst danach kommen Rücktritt, Minderung und Schadensersatz in Betracht.
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Recht |
Was der Käufer verlangen kann |
Bedeutung bei einer gebrauchten Immobilie |
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Nacherfüllung |
Beseitigung des Mangels durch den Verkäufer |
theoretisch der erste Schritt, praktisch selten gewollt, weil der Verkäufer nach der Übergabe keinen Zugriff mehr auf das Objekt hat |
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Rücktritt |
Rückabwicklung des gesamten Kaufvertrags |
der härteste Fall: Rückauflassung, Rückzahlung des Kaufpreises und Streit über Nutzungen und Kosten |
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Minderung |
Herabsetzung des Kaufpreises |
der häufigste Weg, weil er den Vertrag bestehen lässt und sich beziffern lässt |
| Schadensersatz |
Ersatz des Schadens oder vergeblicher Aufwendungen |
umfasst auch Folgekosten, etwa Gutachter, Ersatzunterkunft oder entgangene Miete |
Genau diese vier Rechte nimmt der Gewährleistungsausschluss dem Käufer. Das erklärt, warum die Klausel im Vertrag steht und warum Käufer sie trotzdem akzeptieren: Bei einem Gebäude mit Jahrzehnten Nutzungsgeschichte wäre eine unbegrenzte Einstandspflicht für den Verkäufer kaum kalkulierbar.
3. Ist ein Gewährleistungsausschluss beim Hausverkauf zulässig?
Ja. Beim Verkauf einer gebrauchten Immobilie durch eine Privatperson an eine Privatperson ist der vollständige Ausschluss der Sachmängelhaftung zulässig und seit Jahrzehnten Standard in notariellen Kaufverträgen. Das Gesetz sieht für Grundstückskaufverträge zwischen Privatleuten keine Schutzvorschrift vor, die das verhindern würde.
Der Ausschluss ist deshalb auch kein Verdachtsmoment. Ein Käufer, der die Klausel im Entwurf liest, sollte daraus nicht schließen, dass etwas verborgen wird. Die eigentliche Information steckt an einer anderen Stelle des Vertrags, nämlich in dem Abschnitt, in dem der Verkäufer erklärt, welche Mängel ihm bekannt sind.
Wer einen bekannten Mangel verschweigt und sich auf die Klausel verlässt, verliert beides: den Schutz der Klausel und die Glaubwürdigkeit im späteren Streit. Die Klausel wirkt nur für das, was der Verkäufer selbst nicht kannte.
4. Was bedeutet „gekauft wie gesehen“ bei einer Immobilie?
„Gekauft wie gesehen“ stammt aus dem Handel mit beweglichen Sachen und taucht in notariellen Immobilienkaufverträgen in dieser Form praktisch nie auf. Umgangssprachlich meint die Wendung, dass der Käufer das Objekt im besichtigten Zustand übernimmt.
Juristisch trägt sie weniger weit, als viele annehmen. Nach der Rechtsprechung erfasst eine solche Formel nur Mängel, die bei einer üblichen Besichtigung erkennbar sind. Für alles, was sich hinter Verkleidungen, unter Putz oder in nicht zugänglichen Bauteilen verbirgt, hilft sie dem Verkäufer nicht. Deshalb arbeiten Notare mit einer ausdrücklichen Ausschlussklausel statt mit dieser Wendung.
Für Verkäufer heißt das: Verlassen Sie sich nicht auf eine mündliche Verabredung im Exposé oder bei der Besichtigung. Was nicht beurkundet ist, hat bei einem Grundstücksgeschäft keine Wirkung, denn der Kaufvertrag bedarf nach § 311b BGB der notariellen Beurkundung.
5. Wie ist die Klausel im notariellen Kaufvertrag aufgebaut?
Der Abschnitt zur Sachmängelhaftung besteht in fast jedem Vertragsentwurf aus denselben Bausteinen. Wer sie kennt, liest den Entwurf gezielt und erkennt, an welcher Stelle etwas fehlt.
- Der Ausschluss selbst: Die Rechte des Käufers wegen Sachmängeln am Grundstück und am Gebäude werden ausgeschlossen.
- Die Rückausnahme: Vorsatz, Arglist und übernommene Garantien bleiben unberührt. Diese Einschränkung ist gesetzlich vorgegeben und nicht verhandelbar.
- Die Erklärung des Verkäufers zu bekannten Mängeln: Hier werden die Mängel benannt, die der Verkäufer kennt. Dieser Absatz entscheidet im Streitfall über Arglist.
- Die Beschaffenheitsangaben: Flächen, Baujahr, Sanierungen, Nutzungsart, Altlastenfreiheit. Jede Angabe hier begründet eine Haftung, die der Ausschluss nicht erfasst.
- Die Abgrenzung zu Rechtsmängeln: Der Ausschluss erfasst Sachmängel. Für die Lastenfreiheit und die Richtigkeit der Grundbuchangaben haftet der Verkäufer weiter.
Eine Musterformulierung gehört an dieser Stelle bewusst nicht hin. Ein Grundstückskaufvertrag wird vom Notar entworfen und beurkundet; eine selbst formulierte oder aus dem Internet übernommene Klausel entfaltet ohne Beurkundung keine Wirkung. Sinnvoll ist das Gegenteil: dem Notar vor dem Entwurf eine schriftliche Liste der bekannten Mängel und der zugesagten Eigenschaften zu übergeben, damit beides korrekt in die Urkunde gelangt.
6. Wo greift der Haftungsausschluss nicht?
§ 444 BGB nennt zwei Fälle, in denen sich der Verkäufer auf den Ausschluss nicht berufen kann: das arglistige Verschweigen eines Mangels und die Übernahme einer Beschaffenheitsgarantie. Daneben gibt es weitere Konstellationen, in denen die Klausel ins Leere läuft.
Abstrakt klingt das übersichtlich. Im Streit geht es aber nie um Paragrafen, sondern um Situationen. Sechs davon kommen immer wieder vor.
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Situation |
Trägt der Ausschluss? |
Warum |
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Der Keller war vor zwölf Jahren einmal feucht, seither nie wieder, der Verkäufer hatte es vergessen |
ja |
ohne aktuelle Kenntnis kein Verschweigen und damit keine Arglist |
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Der Verkäufer hat die Schimmelstelle vor der ersten Besichtigung überstrichen |
nein |
aktives Verdecken ist der Kernfall der Arglist |
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Im Exposé steht „Dach 2019 neu gedeckt“, im Kaufvertrag steht dazu nichts |
ja, solange die Angabe stimmte |
Angaben außerhalb der Urkunde werden nicht Vertragsinhalt |
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Im Kaufvertrag ist die Wohnfläche mit 148 Quadratmetern angegeben, tatsächlich sind es 134 |
nein, für diesen Punkt |
eine vereinbarte Beschaffenheit geht dem Ausschluss vor |
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Eine Grunddienstbarkeit steht in Abteilung II des Grundbuchs und wird nicht gelöscht |
nein |
der Ausschluss betrifft Sachmängel, nicht die Rechtslage |
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Der Verkäufer hat das Haus im Vorjahr gekauft, kernsaniert und verkauft es weiter |
unsicher |
je nach Umfang gilt er als gewerblicher Verkäufer oder das Objekt als neu |
Die fünfte Zeile wird am häufigsten übersehen: Nach § 442 Abs. 2 BGB muss der Verkäufer ein im Grundbuch eingetragenes Recht beseitigen, selbst wenn der Käufer es kennt. Die Pflicht zur lastenfreien Übergabe steht neben der Sachmängelhaftung und wird vom Ausschluss nicht berührt. Die sechste Zeile führt zu den Sonderfällen in Kapitel 8.
7. Beschaffenheitsangaben: die unterschätzte Haftungsfalle
Die meisten Verkäufer achten auf den Ausschluss und übersehen die Zeilen darüber. Dabei entsteht die Haftung in der Praxis häufiger aus einer Angabe im Vertrag als aus einem verschwiegenen Mangel, denn für eine Beschaffenheitsvereinbarung nach § 434 Abs. 2 BGB braucht es keine Täuschungsabsicht. Es genügt, dass die Angabe falsch ist.
Typisch sind Angaben zur Wohnfläche, zum Baujahr, zu Sanierungen, zur zulässigen Nutzung oder zur Beheizbarkeit. Wird die Wohnfläche im Vertrag mit 148 Quadratmetern angegeben und misst ein Gutachter später 134 Quadratmeter, haftet der Verkäufer für die Abweichung, obwohl die Sachmängelhaftung ausgeschlossen ist.
Angaben, die Sie nicht aus eigener Kenntnis belegen können, gehören nicht als Zusage in den Vertrag, sondern als Hinweis auf ihre Quelle. Statt „Die Wohnfläche beträgt 148 Quadratmeter“ etwa der Hinweis, dass die Fläche aus den Bauunterlagen von 1996 stammt und nicht nachgemessen wurde. Besprechen Sie diese Formulierung mit dem Notar, bevor der Entwurf versendet wird.
8. Neubau, Bauträger und gewerbliche Verkäufer
Der Gewährleistungsausschluss ist das Recht des Bestandsverkäufers. Für neu errichtete Gebäude gilt er nicht.
- Bauträgervertrag: Verpflichtet sich der Verkäufer zugleich zur Errichtung oder zum Umbau des Gebäudes, liegt nach § 650u BGB ein Bauträgervertrag vor. Für die Bauleistung gilt dann Werkvertragsrecht, nur für die Grundstücksübertragung Kaufrecht. Ein pauschaler Ausschluss der Mängelhaftung ist dort nicht möglich.
- Vorformulierte Verträge: Verwendet der Verkäufer für mehrere Objekte denselben Vertragstext, handelt es sich um Allgemeine Geschäftsbedingungen. Bei neu hergestellten Sachen und Bauleistungen ist der Ausschluss der Mängelansprüche darin nach § 309 Nr. 8 BGB unwirksam.
- Kernsanierung: Wird ein Altbau so umfassend saniert, dass er einem Neubau gleichkommt, behandelt die Rechtsprechung ihn in Teilen wie einen Neubau. Ein Ausschluss trägt dann nicht ohne Weiteres.
- Gewerbliche Verkäufer: Wer regelmäßig Immobilien kauft, saniert und weiterverkauft, verkauft nicht mehr privat. Die Einordnung richtet sich nach dem tatsächlichen Umfang der Tätigkeit, nicht nach der Selbstbezeichnung im Vertrag.
9. Wie lange haftet der Verkäufer?
Die Dauer der Haftung hängt davon ab, ob die Gewährleistung wirksam ausgeschlossen wurde und ob dem Verkäufer Arglist vorgeworfen wird.
Ohne Ausschluss verjähren Mängelansprüche bei einem Bauwerk nach § 438 Abs. 1 Nr. 2 BGB in fünf Jahren. Bei Grundstücken beginnt die Frist nach § 438 Abs. 2 BGB mit der Übergabe, nicht mit der Beurkundung und nicht mit der Eintragung im Grundbuch.
Mit wirksamem Ausschluss gibt es diese Fünfjahresfrist nicht mehr, weil es keinen Anspruch gibt, der verjähren könnte. Bleibt der Vorwurf der Arglist, gilt nach § 438 Abs. 3 BGB die regelmäßige Verjährung: drei Jahre ab dem Schluss des Jahres, in dem der Käufer vom Mangel erfährt, nach § 199 Abs. 1 BGB, gedeckelt durch die Höchstfrist von zehn Jahren ab Entstehung des Anspruchs nach § 199 Abs. 4 BGB. Zugleich endet die Verjährung nicht vor Ablauf der fünf Jahre, die ohne Arglist gegolten hätten.
Für Rechtsmängel, die auf einem im Grundbuch eingetragenen Recht beruhen, gilt eine Sonderfrist von dreißig Jahren nach § 438 Abs. 1 Nr. 1 BGB. Auch sie wird vom Ausschluss der Sachmängelhaftung nicht berührt.
10. Mängel dokumentieren und den Kaufvertrag vorbereiten
Der Schutz aus dem Ausschluss hängt daran, dass der Verkäufer nichts verschweigt. Das ist weniger eine juristische als eine organisatorische Aufgabe. Die Unterlagen dafür liegen meist längst im Haus, nur selten an einer Stelle: Alles, was bekannt ist, muss aufgeschrieben, belegt und in die Urkunde gebracht werden.
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Unterlage |
Woher |
Wofür sie im Streitfall zählt |
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Liste der bekannten Mängel mit Datum |
selbst erstellt |
Grundlage für den Mängelabsatz in der Urkunde |
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Rechnungen und Fotos zu Reparaturen |
eigene Unterlagen |
belegt, was behoben wurde und wann |
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Gutachten und Messprotokolle |
Sachverständiger, Schornsteinfeger, Fachbetrieb |
zeigt, was der Verkäufer wusste und was nicht |
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Schriftverkehr mit Handwerkern und Versicherung |
eigene Ablage |
wichtigstes Indiz für Kenntnis und damit für Arglist |
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Protokolle der Eigentümerversammlung |
Verwaltung |
bei Wohnungen: beschlossene und bekannte Mängel am Gemeinschaftseigentum |
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Nachweise zu Flächen und Baujahr |
Bauakte, Architekt, Bauamt |
Grundlage jeder Beschaffenheitsangabe im Vertrag |
| Energieausweis |
Aussteller oder Verwaltung |
Pflichtangabe und zugleich eine Beschaffenheitsangabe, wenn die Werte in den Vertrag wandern |
Die Liste der bekannten Mängel gehört nicht in eine Anlage zum Exposé, sondern in den Vertrag. Eine Anlage, auf die nur verwiesen wird, muss mitbeurkundet werden, sonst entsteht Streit darüber, was Vertragsinhalt geworden ist. Den Übergabezustand halten Sie zusätzlich im Übergabeprotokoll fest.
Die Beschaffung ist Fleißarbeit, die saubere Abstimmung mit dem Notar der eigentliche Aufwand. Wer beides abgeben möchte, überlässt es einem Makler mit Erfahrung in der Verkaufsvorbereitung. Er trägt die Unterlagen zusammen, gleicht die Angaben im Entwurf mit den Belegen ab und sorgt dafür, dass Fragen von Interessenten schriftlich und vollständig beantwortet werden.
11. Checkliste vor dem Notartermin
- Alle bekannten Mängel schriftlich sammeln, auch solche, die Sie für geringfügig halten.
- Zu jedem Punkt notieren, seit wann er bekannt ist und ob etwas unternommen wurde.
- Prüfen, welche Eigenschaften Sie im Exposé und in Gesprächen zugesagt haben.
- Für jede dieser Eigenschaften einen Beleg suchen oder die Zusage zurücknehmen.
- Die Mängelliste und die Belege vor dem Entwurf an den Notar geben.
- Im Entwurf nachlesen, ob alle Mängel im Vertrag stehen und nicht nur in einer Anlage.
- Flächen, Baujahr und Sanierungsangaben im Entwurf mit den Unterlagen abgleichen.
- Fragen des Käufers vollständig und schriftlich beantworten, auch unangenehme.
- Den Zustand bei der Übergabe mit Fotos und Zählerständen dokumentieren.
Gewährleistung ist die gesetzliche Pflicht des Verkäufers, dafür einzustehen, dass die Immobilie bei der Übergabe frei von Sach- und Rechtsmängeln ist. Sie entsteht automatisch mit dem Kaufvertrag und umfasst nach § 437 BGB Nacherfüllung, Rücktritt, Minderung und Schadensersatz. Beim Verkauf einer gebrauchten Immobilie wird sie im notariellen Vertrag regelmäßig ausgeschlossen.
Ja. Beim Verkauf einer Bestandsimmobilie durch eine Privatperson ist der vollständige Ausschluss der Sachmängelhaftung zulässig und üblich. Unwirksam ist er, soweit der Verkäufer einen Mangel arglistig verschwiegen oder eine Garantie übernommen hat. Bei Neubauten und Bauträgerverträgen ist ein pauschaler Ausschluss nicht möglich.
Die Formel stammt aus dem Handel mit beweglichen Sachen und steht in notariellen Immobilienkaufverträgen praktisch nie. Sie erfasst nach der Rechtsprechung nur Mängel, die bei einer üblichen Besichtigung erkennbar sind, und ersetzt deshalb keinen vertraglichen Haftungsausschluss. Notare arbeiten mit einer ausdrücklichen Klausel.
Praktisch ja. Ein Grundstückskaufvertrag bedarf nach § 311b BGB der notariellen Beurkundung, und der Notar entwirft den Vertrag. Eine selbst formulierte oder aus einer Vorlage übernommene Klausel hat ohne Beurkundung keine Wirkung. Sinnvoll ist, dem Notar vor dem Entwurf eine Liste der bekannten Mängel und der zugesagten Eigenschaften zu übergeben.
Üblich sind fünf Bausteine: der Ausschluss der Sachmängelhaftung, die gesetzlich zwingende Rückausnahme für Vorsatz, Arglist und Garantien, die Erklärung des Verkäufers zu bekannten Mängeln, die Beschaffenheitsangaben zu Fläche, Baujahr und Sanierungen sowie die Abgrenzung zu Rechtsmängeln und zur Lastenfreiheit.
Bei einem wirksamen Ausschluss entfällt die Fünfjahresfrist, weil keine Mängelansprüche mehr bestehen. Bleibt der Vorwurf der Arglist, gilt nach § 438 Abs. 3 BGB die regelmäßige Verjährung von drei Jahren ab dem Schluss des Jahres der Kenntnis, höchstens zehn Jahre ab Entstehung des Anspruchs und nicht weniger als fünf Jahre ab Übergabe.
Nein. Der Ausschluss betrifft Sachmängel. Im Grundbuch eingetragene Rechte Dritter muss der Verkäufer nach § 442 Abs. 2 BGB beseitigen, selbst wenn der Käufer sie kennt. Für Mängel, die auf einem eingetragenen Recht beruhen, gilt zudem die Verjährungsfrist von dreißig Jahren nach § 438 Abs. 1 Nr. 1 BGB.
Nur wenn sie in die notarielle Urkunde gelangen oder arglistig falsch waren. Ein Grundstückskaufvertrag bedarf der Beurkundung, mündliche und schriftliche Zusagen außerhalb der Urkunde werden grundsätzlich nicht Vertragsinhalt. Steht eine Angabe aber im Vertrag, haftet der Verkäufer dafür trotz Ausschluss.
Nein. Verpflichtet sich der Verkäufer auch zur Errichtung des Gebäudes, liegt nach § 650u BGB ein Bauträgervertrag vor, für dessen Bauleistung Werkvertragsrecht gilt. Wird derselbe Vertragstext für mehrere Objekte verwendet, ist der Ausschluss zusätzlich nach § 309 Nr. 8 BGB unwirksam.
Die Gewährleistung gilt kraft Gesetzes und lässt sich beim Verkauf einer gebrauchten Immobilie abbedingen. Eine Garantie ist eine freiwillige zusätzliche Zusage. Wer eine Garantie übernimmt, kann sich nach § 444 BGB auf einen Haftungsausschluss nicht mehr berufen.

"Bei gebrauchten Immobilien ist von einem normalen Abnutzungszustand unterschiedlicher Stärke je nach Alter auszugehen. Das betrifft besonders elektrische Leitungen, Dacheindeckung, Heizungsanlage & Co. Über solche Mängel muss der Verkäufer nicht gesondert aufklären, denn sie sind erwartbar." -mehr dazu-