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von Lea Sofie Koy | Redakteurin im Bereich Immobilien

Liegenschaftszins: einfache Definition inkl. Beispielrechnung

Der Liegenschaftszins ist eine zentrale Rechengröße in der Immobilienbewertung – insbesondere im Ertragswertverfahren. Immobiliengutachter bewerten mit dem Liegenschaftszins die Stabilität eines Renditeobjekts. Doch was genau steckt hinter der Definition für den Liegenschaftszins, wie lässt er sich berechnen und welche Werte sind laut Liegenschaftszins-Tabelle in Deutschland aktuell üblich? In diesem Artikel erfahren Sie einfach und verständlich, was der Liegenschaftszins ist, wie Sie ihn berechnen und warum er für den Immobilienwert so entscheidend ist.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Der Liegenschaftszins ist eine fiktive Rechengröße für die Verzinsung des Bodenwerts einer Liegenschaft und kommt im Ertragswertverfahren zum Einsatz.
  • Gutachterausschüsse veröffentlichen regelmäßig marktübliche Liegenschaftszinssätze.
  • Die Höhe des Liegenschaftszinses variiert je nach Lage, Immobilienart und aktueller Marktsituation.
  • Je höher der Liegenschaftszins, desto geringer der Marktwert der Immobilie.

1. Was ist der Liegenschaftszins?

Der Liegenschaftszins ist per Definition eine fiktive Rechengröße für die Verzinsung des Bodenwerts einer Liegenschaft. Er wird in der Immobilienbewertung für das Ertragswertverfahren genutzt, um den Ertrag des Gebäudes vom Bodenwert zu trennen.

Als Liegenschaft wird in der Regel ein bebautes Grundstück bezeichnet, da durch die Vermietung eines Gebäudes Erträge erwirtschaftet werden können.

Vereinfacht gesagt ist der Liegenschaftszins eine fiktive Miete für das Grundstück, auf dem eine Immobilie steht. Es wird im Ertragswertverfahren so gerechnet, als würde das Gebäude dem Grundstück eine Art Nutzungsgebühr zahlen. Der Liegenschaftszins verhindert, dass der Grundstückswert doppelt in die Bewertung einfließt.

Wichtig!

Der Liegenschaftszins ist kein frei wählbarer Wert, sondern basiert auf realen Marktdaten. Er findet seine rechtliche Grundlage in der Immobilienwertermittlungsverordnung (§ 14) und wird in Deutschland von den Gutachterausschüssen ermittelt und regelmäßig veröffentlicht.

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2. Wie wird der Liegenschaftszins berechnet?

Gutachterausschüsse berechnen den Liegenschaftszins für Deutschland, indem sie reale Marktdaten analysieren. Typische Einflussfaktoren für die Höhe des Liegenschaftszinssatzes sind:

  • Lage der Immobilie
  • Immobilienart (Wohnung, Mehrfamilienhaus, Gewerbeimmobilie)
  • Erzielte Renditen sowie zukünftige Risiko- und Renditeerwartungen
  • Aktuelle Marktentwicklungen

Auf dieser Basis werden marktübliche Liegenschaftszinssätze als verbindliche Grundlage veröffentlicht.

Liegenschaftszins-Formel: So können Sie den Liegenschaftszinssatz selbst überschlagen

Die Berechnung der Liegenschaftszinssätze ist komplex und deshalb bei den Sachverständigen der Gutachterausschüsse in den richtigen Händen. Wer sich zur ersten Orientierung ein grobes Bild von der Höhe eines Liegenschaftszinses machen möchte, kann den Bodenwert und die wirtschaftliche Restnutzungsdauer vorerst ausklammern. Mit dieser vereinfachten Formel für den Liegenschaftszinssatz können Sie sich einen ersten Überblick über die zu erwartende Verzinsung verschaffen:

  • Liegenschaftszinssatz = zu erwartende Jahresnettomieteinnahmen der Immobilie x 100 / Kaufpreis der Immobilie

Beispielrechnung:

Angenommen, Sie kaufen eine vermietete Immobilie:

  • Kaufpreis: 400.000 €
  • Monatliche Nettokaltmiete: 1.200 €

Jahresnettomiete: 1.200 € × 12 = 14.400 €

Berechnung Liegenschaftszinssatz: (14.400 € × 100) ÷ 400.000 € = 3,6 %

Achtung: Diese Berechnung dient lediglich zur groben Orientierung. Für eine belastbare Immobilienbewertung sollten Sie immer auf offizielle Berechnungen der Gutachterausschüsse zurückgreifen.  

3. Wie hoch ist der Liegenschaftszins in Deutschland (Tabelle 2026)?

Der Liegenschaftszins in Deutschland variiert je nach Lage, Objektart und Risiko erheblich. Der Immobilienverband IVD veröffentlicht regelmäßig Zinssatzspannen, die auf Auswertungen der Gutachterausschüsse basieren. Hierfür werden reale Kaufpreise analysiert und daraus marktübliche Zinssätze abgeleitet.

Die folgende Liegenschaftszins-Tabelle für Deutschland (2026) zeigt zur Orientierung typische Zinssatz-Spannen je nach Immobilienart:

Immobilienart 

Typischer Liegenschaftszinssatz 

Freistehendes Einfamilienhaus 

1,5-4,0% 

Doppel-/Reihenhaus 

1,5-4,5% 

Eigentumswohnung 

1,5-4,5% 

Mehrfamilienhaus 

2,5-5,5% 

Büro- und Geschäftshäuser 

4,0-8,0% 

Sport- und Freizeitanlagen 

6,5-9,5% 

Quelle: Empfehlungen des IVD zu Liegenschaftszinssätzen (Stand Januar 2026)

Je höher ein Liegenschaftszins ist, desto attraktiver erscheint eine Liegenschaft zunächst, aber desto höher ist auch das Risiko (z. B. potenzielle Mietausfälle, weil Mieter kündigen könnten). Bei der Bewertung des Liegenschaftszinses ist vor allem die Lage der Immobilie ein entscheidender Faktor: So sind die Liegenschaftszinsen in einer Stadt wie München durchschnittlich niedriger als z. B. in einer Kleinstadt im Thüringer Wald, da Immobilien in deutschen Großstädten derzeit als wertbeständiger angesehen werden als Immobilien auf dem Land.

4. Beispielrechnung: Wie hoch ist der Liegenschaftszins für eine vermietete Immobilie?

Ist der Liegenschaftszinssatz für eine vermietete Immobilie (z.B. Einfamilienhaus oder Mehrfamilienhaus) bekannt, können Sie den Liegenschaftszins berechnen und besser verstehen, wie er sich auf den immobilienwert auswirkt: 

  • Liegenschaftszins = Bodenwert x Liegenschaftszinssatz 

Beispielrechnung

  • Bodenwert: 300.000 €
  • Liegenschaftszinssatz: 3%

Liegenschaftszins = 300.000€ x 0,03 = 9.000€ pro Jahr

Dieser Betrag wird bei der Immobilienbewertung durch das Ertragswertverfahren vom Reinertrag abgezogen.  

5. Wie hängt der Liegenschaftszins mit dem Ertragswertverfahren zusammen?

Bei der Immobilienbewertung wird im Ertragswertverfahren der Wert einer Immobilie anhand ihrer Erträge berechnet. Gutachter nutzen den Wert für die Ermittlung der Bodenwertverzinsung und zur Berechnung des Vervielfältigers.

Der Ablauf im Ertragswertverfahren ist wie folgt:

  1. Jahresrohertrag ermitteln
  2. Bewirtschaftungskosten abziehen
  3. Liegenschaftszins abziehen
  4. Gebäudewert berechnen
  5. Bodenwert hinzufügen

Ohne den Liegenschaftszins wäre die Bewertung der Immobilie systematisch zu hoch. Gerade bei Renditeobjekten kann der Unterschied mehrere zehntausend Euro betragen.

Grundsätzlich gilt: Je höher der Liegenschaftszins, desto geringer der Verkehrswert (Marktwert) der Immobilie, da die über die Restnutzungsdauer erwarteten Überschüsse über den Liegenschaftszins kapitalisiert werden.

6. Liegenschaftszins vs. Rendite: Wo liegt der Unterschied?

In der Praxis werden die Begriffe Liegenschaftszins und Rendite häufig gleichgestellt, obwohl sie zwei völlig unterschiedliche Dinge beschreiben. Der Liegenschaftszins ist eine reine Rechengröße in der Immobilienbewertung. Die Rendite zeigt, wie profitabel eine Immobilie für Investoren wirklich ist.

Begriff 

Bedeutung 

Liegenschaftszins 

Rechnerischer Wert zur Ermittlung des Immobilienwertes 

Rendite 

Tatsächliche Verzinsung des eingesetzten Kapitals 

Während der Liegenschaftszinssatz auf marktüblichen Daten basiert, hängt die Rendite von individuellen Faktoren ab:

  • Kaufpreis der Immobilie
  • Finanzierung (Eigenkapital, Zinsen)
  • tatsächliche Mieteinnahmen
  • laufende Kosten 

Achtung!

Werden beide Werte miteinander vermischt, kann dies zu falschen Erwartungen führen. Eine vermietete Immobilie kann einen niedrigen Liegenschaftszinssatz haben (hoher Marktwert) und gleichzeitig eine schwache Rendite erzielen.

7. Fazit: Warum ist der Liegenschaftszins so wichtig für die Immobilienbewertung?

Der Liegenschaftszins ist ein zentraler Hebel in der Immobilienbewertung – insbesondere im Ertragswertverfahren. Er sorgt dafür, dass der Wert einer Immobilie realistisch und marktorientiert ermittelt wird. Der Liegenschaftszins erfüllt gleich mehrere wichtige Funktionen:

  • Er macht den Ertragswert realistisch, indem der Bodenwert korrekt berücksichtigt wird.
  • Er isoliert den Einfluss des Grundstücks.
  • Er erhöht die Vergleichbarkeit von Immobilien durch einheitliche Marktzinssätze.
  • Er hat einen direkten Einfluss auf den Immobilienwert.

Faustregel: Je höher der Liegenschaftszinssatz, desto größer ist der Abzug im Ertragswertverfahren – und desto niedriger fällt der Immobilienwert aus. 

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Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Liegenschaftszins
Was ist der Liegenschaftszins?

Der Liegenschaftszins ist eine fiktive Rechengröße in der Immobilienbewertung, die die Verzinsung des Bodenwerts darstellt. Er wird im Ertragswertverfahren verwendet, um den Ertrag des Gebäudes vom Grundstück zu trennen. Vereinfacht gesagt ist er eine „gedachte Miete“ für das Grundstück.

Wo finde ich den Liegenschaftszinssatz?

Den Liegenschaftszinssatz finden Sie bei den Gutachterausschüssen Ihrer Region. Diese veröffentlichen regelmäßig sogenannte Grundstücksmarktberichte, in denen marktübliche Zinssätze auf Basis realer Kaufpreise und Renditen ausgewiesen werden.

Kann ich den Liegenschaftszinssatz selbst festlegen?

Der Liegenschaftszinssatz ist kein frei wählbarer Wert. Er wird aus realen Marktdaten abgeleitet und von Gutachterausschüssen ermittelt. Für eine grobe Orientierung können Sie ihn überschlagen, für eine verlässliche Bewertung sollten Sie jedoch offizielle Werte verwenden.

Wie kann ich den Liegenschaftszins berechnen?

Um den Liegenschaftszins zu berechnen, multiplizieren Sie den Bodenwert mit dem Liegenschaftszinssatz. Das Ergebnis wird im Ertragswertverfahren vom Reinertrag abgezogen.

Was ist der Unterschied zwischen Liegenschaftszins und Liegenschaftszinssatz?

Der Liegenschaftszinssatz ist ein Prozentsatz, der den Markt widerspiegelt. Der Liegenschaftszins ist der daraus berechnete Geldbetrag, der sich aus Bodenwert × Zinssatz ergibt. Beide werden im Ertragswertverfahren zur Immobilienbewertung genutzt.

Warum ist der Liegenschaftszins wichtig für Käufer und Verkäufer?

Der Liegenschaftszins beeinflusst direkt den Immobilienwert. Ein höherer Zinssatz führt zu einem größeren Abzug im Ertragswertverfahren und damit zu einem niedrigeren Marktwert.

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