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Baukindergeld – alle Fakten zur neuen Eigenheimzulage für Familien mit Kindern

Die Bundesregierung will Familien mit Kindern finanziell unterstützen, die eine Immobilie kaufen oder bauen wollen, um sie selbst zu bewohnen – so steht es im Koalitionsvertrag. Ein Gesetz zum Baukindergeld soll in der zweiten Jahreshälfte 2018 vorliegen und der Antragsbeginn dann starten. Was die bisherigen Pläne zu der neuen Eigenheimzulage, dem sogenannten Baukindergeld, sind – immoverkauf24 hat es zusammengefasst.

1. Was ist das Baukindergeld und warum soll es gezahlt werden?

Baukindergeld

Vor allem in Ballungsgebieten sind die Wohnkosten bzw. Immobilienpreise inzwischen häufig so hoch, dass Normalverdiener, darunter viele Familien mit Kindern, kaum eine Chance auf geeignete Häuser oder Wohnungen haben. Die große Koalition (GroKo) will deshalb im Rahmen der sogenannten Wohnraumoffensive den Neubau ankurbeln. Das Ziel: In den kommenden Jahren sollen 1,5 Millionen neue Wohnungen und Eigenheime privat finanziert und mit Hilfe öffentlicher Förderung gebaut werden. Union und SPD stellen dafür ein Milliarden-Paket zur Verfügung. Davon sollen auch Familien mit Kindern profitieren, indem sie für den Neubau oder Immobilienkauf eine staatliche Förderung erhalten. Im Koalitionsvertrag ist deshalb festgeschrieben: „Wir unterstützen Familien beim Erwerb von Wohneigentum: Baukindergeld in Höhe von 1.200 € je Kind pro Jahr.“

2. Baukindergeld – wer bekommt es?

Die Subvention sollen Familien mit Kindern erhalten – das legt schon der Name der Förderung nahe. Unter den Begriff fallen Paare und Alleinerziehende, in deren Haushalt mindestens ein Kind unter 18 Jahren lebt. Der Erhalt des Baukindergeldes ist an einen Kindergeldanspruch gekoppelt.

Die subventionierten Familien dürfen zudem über ein maximales Haushaltseinkommen von 75.000 Euro (brutto) pro Jahr verfügen, wer mehr verdient, hat keinen Anspruch auf die staatliche Förderung. Hinzu kommt pro Kind noch ein Freibetrag von 15.000 Euro. Abhängig von der Zahl der Kinder ergeben sich so folgende mögliche Haushaltseinkommen:

Familieneinkommen Anzahl der Kinder Summe max. zulässiges Jahreseinkommen
max. 75.000 € 1 90.000 €
max. 75.000 € 2 105.000 €
max. 75.000 € 3 120.000 €
max. 75.000 € 4 135.000 €
max. 75.000 € 5 150.000 €

Zudem ist die Förderung an den „Ersterwerb von Neubau oder Bestand“ geknüpft: Nur wer bisher keine Immobilie gebaut oder erworben hat, kann mit dem Baukindergeld rechnen. Besitzt eine Familie also bereits ein Haus, will jedoch eine andere, größere Immobilie kaufen, hat sie keinen Anspruch auf das Baukindergeld. Gleiches betrifft geerbten Immobilie, auch sie sind ein Ausschlusskriterium für das Baukindergeld.

Wer hat Anspruch auf das Baukindergeld? Die Voraussetzungen im Überblick:

  • Das neue Haus oder die neue Wohnung liegt in Deutschland. Die Staatsangehörigkeit der Antragsteller spielt keine Rolle.
  • Im Haushalt lebt mindestens ein Kind, das zum Zeitpunkt der Antragstellung unter 18 Jahre ist.
  • Das Haushaltseinkommen der Antragsteller beträgt bei einem Kind max. 90.000 Euro pro Jahr, bei jedem weiteren Kind kommen jeweils15.000 Euro hinzu.
  • Die neue Immobilie ist zum Antragszeitpunkt die einzige Immobilie im Besitz der Antragsteller.
  • Der Kaufvertrag wurde frühestens am 01.01.2018 oder später unterschrieben. Auch eine Baugenehmigung dürfen Antragsteller frühestens zu diesem Datum erhalten haben.

Durch die relativ hoch gesteckte Einkommensgrenze sind rund 96 Prozent aller Familien mit Kindern in Deutschland anspruchsberechtigt. Würden diese tatsächlich einen Antrag stellen, wäre mit einer Fördersumme von rund vier Milliarden Euro zu rechnen. Weil jedoch nur zwei Milliarden Euro von der Bundesregierung vorgesehen sind, ist der großen Koalition daran gelegen, die Zahl der Antragsberechtigten zu begrenzen. Ein erster Vorschlag, der diesem Zweck dienen sollte, kam aus dem Finanzministerium und sah vor, die Fläche der förderfähigen Immobilien auf 120 oder 140 Quadratmeter zu begrenzen. Nach starker Kritik an diesen Plänen einigte sich die GroKo darauf, den Zeitraum für eine Antragsstellung auf drei Jahre zu begrenzen.

3. Baukindergeld berechnen: Wie hoch ist das Baukindergeld?

Über einen Zeitraum von 10 Jahren soll es pro Jahr und Kind 1.200 Euro vom Staat geben. Daraus ergeben sich folgende Beträge:

Anzahl Kinder Förderung pro Jahr Summe in 10 Jahren
1 1.200 € 12.000 €
2 2.400 € 24.000 €
3 3.600 € 36.000 €
4 4.800 € 48.000 €
5 6.000 € 60.000 €

4. Ab wann wird es das Baukindergeld geben?

Seit 18.September kann das Baukindergeld bei der KFW-Bank auf der Seite kfw.de/baukindergeld beantragt werden.

Die Anträge können rückwirkend zum 1. Januar 2018 gestellt werden. Jedoch ist die Möglichkeit, das Baukindergeld zu beantragen, auf drei Jahre begrenzt, nämlich vom 1.1.2018 bis zum 31.12.2020.

5. Wie kann man das Baukindergeld beantragen und gibt es ein Formular?

Der Antrag auf Baukindergeld kann über ein KfW-Föderprogramm gestellt werden, jedoch erst nach Einzug in die entspechende Immobilie. Dieser Einzug darf erst nach dem 1.1.2018 stattgefunden haben bzw. staffinden. Wer vorher in eine neu erworbene oder erbaute Immobilie eingezogen ist, hat keinen Anspruch auf das Baukindergeld.

Auf der Seite der KfW finden Interessenten unter dem Reiter "Privatpersonen" die Rubrik "Baukindergeld". Hier gibt es weitere Informationen und die Möglichkeit sich im Zuschuss-Portal zu registrieren und einen Zuschuss konkret zu beantragen. Der Zuschuss ist rückwirkend zum 1. Januar 2018 möglich. Wenn sie also seit Jahresbeginn 2018 einen Kaufvertrag unterschrieben oder eine Baugenehmigung erhalten haben, haben sie einen Anspruch auf die Förderung. Wer Kaufvertrag oder Baugenehmigung schon vor 2018 besiegelt hat, muss auf andere Fördermittel zurückgreifen.

6. Wo kann man sich über das Baukindergeld informieren?

Neben der KfW-Bank, über die man das Baukindergeld in Form von Zuschüssen erhält, informieren auch Finanzierungsberater bei Kreditinstituten über die Subvention. Sie erläutern auch, welche Rolle das Baukindergeld bei Immobilienkrediten und der Berechnung der Kreditraten spielt. Und natürlich sind auch Verbraucherzentralen Ansprechpartner bei Fragen zum Baukindergeld.

7. Kritik am Baukindergeld

  • Experten haben die Gesamtkosten für das Baukindergeld ausgerechnet und kamen auf eine Summe von 4 Milliarden Euro, die bis 2021 anfallen könnten – über diesen Zeitraum läuft die von der großen Koalition geplante „Wohnraumoffensive“. Fazit der Experten: Das Baukindergeld ist zu teuer, zumal die Mittel aus Steuergeldern bereitgestellt werden sollen.
  • Angesichts dieser enormen Aufwendungen erwarten Experten vergleichsweise geringe Ergebnisse: Einerseits würde nicht spürbar mehr Wohnraum in Ballungsgebieten entstehen, denn zum einen ist hier nur noch wenig Platz, zum anderen können sich Familien hier das Bauen häufig gar nicht leisten. Der tatsächliche wohl entstehende Neubau würde voraussichtlich eher in ländlichen Regionen stattfinden und damit in Gebieten, wo Leerstand und nicht ein Wohnungsmangel das vorherrschende Problem ist.
  • Zudem würde das Baukindergeld hauptsächlich Familien zugutekommen, die auch ohne die Subvention den Immobilienerwerb stemmen könnten. Einkommensschwache Familien haben hingegen grundsätzlich Schwierigkeiten, das nötige Kapital für die Immobilienfinanzierung aufzubringen – durch die 1.200 Euro pro Kind würde sich selten eine ausreichend große Summe ergeben, dass solche Familien diese Hürde nehmen könnten.
  • Durch die Flächenbegrenzung der föderfähigen Immobilien könnte sich eine Benachteiligung von Familien ergeben, die in ländlichen Regionen bauen oder kaufen. Denn hier sind die Häuser und Wohnungen im Durchschnitt größer als in urbanen Gebieten, wo wegen der dichten Besiedlung weniger Platz vorhanden ist.
  • Einkommensschwache Familien, die den Immobilienkauf dennoch wagen, könnten durch den Wegfall des Baukindergeldes nach Ende der 10-jährigen Laufzeit Schwierigkeiten bei der Rückzahlung des Immobilienkredites bekommen: Zum einen weil der monatliche Zuschuss fehlt – bei drei Kindern sind es immerhin 300 Euro monatlich. Hinzu könnte kommen, dass häufig ebenfalls nach 10 Jahren die Sollzinsbindung abläuft – bei Immobilienkrediten ist das ein gängiger Zeitraum für die Zinsbindung. Die für die Anschlussfinanzierung anfallenden Zinsen könnten deutliche höher als zuvor ausfallen und so manche Familie in Zahlungsschwierigkeiten bringen.
  • Das Baukindergeld könnte die Immobilienpreise weiter in die Höhe treiben. Denn besonders in Regionen mit knappem Bauland könnten Bauunternehmen und Immobilienbesitzer das Baukindergeld in die Kosten „einpreisen“.

Eigenheimzulage mit Kinderzulage – Vorgänger des Baukindergeldes

Bis zum Jahr 2006 gab es eine staatliche Förderung für die Anschaffung oder Herstellung von selbstgenutztem Wohneigentum. Die damalige Eigenheimzulage bestand aus folgenden Komponenten:

  • Grundförderung
  • Kinderzulage (Baukindergeld)
  • Ökokomponente

Um die Eigenheimzulage zu beziehen, durfte das Haushaltseinkommen bei einem Kind 170.000 Euro nicht überschreiten, für jedes weitere Kind erhöhte sich die Grenze um 30.000 Euro.

Die Grundförderung bei der ehemaligen Eigenheimzulage betrug bei Anschaffung vor dem 1. Januar 2004 fünf Prozent der Kaufpreises oder der Baukosten eines Neubaus. Der Betrag war pro Jahr auf 2.556 Euro gedeckelt. Altbauten wie auch Umbauten wurden mit 2,5 Prozent der Bausumme bzw. des Kaufpreises gefördert. Das Maximum waren 1.278 Euro. Das Baukindergeld im Rahmen der Eigenheimzulage betrug vor dem 1. Januar 2004 pro Kind 767 Euro. Voraussetzung war ein Kindergeldanspruch. Die Kinderzulage gab es für Neu- und Altbauten sowie Um- und Erweiterungsbauten. Eine Förderung war über acht Jahre möglich. In den Jahren 2004 und 2005 wurde die Eigenheimzulage gekürzt: Bei Anschaffung der Immobilie zwischen dem 1. Januar 2004 und dem 31. Dezember 2005, betrug der Zuschuss jährlich nur noch ein Prozent der Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten, höchstens aber 1.250 Euro. Die Kinderzulage wurde ihn diesem Zeitraum auf 800 Euro pro Kind erhöht.

Für Niedrigenergiehäuser gab es außerdem eine Ökozulage von max. 205 Euro, die ebenfalls über acht Jahre gewährt werden konnte: Voraussetzung war, dass die Immobilie die Wärmeschutzverordnung von 1994 um mindestens 25 Prozent unterschreitet. Die Zulage wurde außerdem nur gewährt, wenn das Niedrigenergiehaus vor dem 1.1.2003 fertig gestellt bzw. gekauft worden war.

Ende 2005 wurde die Eigenheimzulage beendet, da die Kosten zu hoch und die Effekte seit Anbeginn umstritten waren.

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